Anträge zum Ausbau der Forstgasse


Sehr geehrter Herr Lorch,

unter Bezugnahme auf TOP 9 der Bau-Ausschusssitzung am 05.12.2019 stellen wir nachfolgende Anträge.

Aktuelle Situation
Ein Anwohner der Forstgasse beschreibt die die Verkehrssituation als katastrophal. 3 Unfälle innerhalb weniger Monate, bei einem musste die Feuerwehr eine Person aus dem Auto „schneiden“, belegen die Aussage. Innerhalb weniger Tage erreichte die Fraktion das Feedback von insgesamt 8 Anwohner, die sich allesamt für Maßnahmen zur Erhöhung der Fußgänger- und Radfahrersicherheit aussprechen. Zudem werden planerische Maßnahmen gefordert, die eine starke Reduzierung der Geschwindigkeit zur Folge haben. Mit der vorgelegten Planung wird das Gegenteil erreicht – die Durchschnittsgeschwindigkeit wird vermutlich ansteigen, wie man im bereits sanierten Teil der Forstgasse beobachten kann.

Besonderes Risiko der zahlreichen jungen Anwohner:
Die Forstgasse hat in den letzten Jahren eine signifikante „Verjüngung“ der Anwohner erfahren, d.h. sehr viele junge Familien mit kleinen Kindern sind zugezogen oder Häuser wurden veerbt. Mit weiteren Kindern dieser Familien ist zu rechnen. Zudem gibt es sehr viele im Bau befindliche Objekte. Auch hier ist anzunehmen, dass zumindest in Teilen junge Familien mit Kindern einziehen. Die Forstgasse ist nicht nur deshalb ein wichtiger Schul- und Kindergartenweg.

Die These, dass die Forstgasse die Straße in Haßloch ist, wo täglich mit Abstand die meisten „Geschwindigkeitsdelikte“ begangen werden, kann wahrscheinlich jeder Ortskundige unterschreiben. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt in der 30-Zone nahe 50km/h – mit regelmäßigen Ausreißern weit darüber. Bei 4000 Fahrzeugen pro Tag halten sich geschätzt 80% (also über 3000 Fahrzeuge – und das ist konservativ geschätzt) nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung.

Hintergrund: Das Risiko das mit Tempo 50 einhergeht ist in der kurzen Zusammenfassung nachfolgend dargestellt.

Innerhalb von Ortschaften ereignen sich ungefähr doppelt so viele Unfälle wie außerhalb (Deutsches Statistisches Bundesamt). Bei den Kinderunfällen lag das Verhältnis von innerhalb zu außerhalb im Jahr 2011 sogar bei 28:1. [i]

Der Anhalteweg wird kürzer
Während ein Auto mit Tempo 30 nach 14 m schon steht, ist ein Fahrzeug mit Tempo 50 km/h an der gleichen Stelle immer noch mit 50 km/h unterwegs. Es steht erst nach 28 Metern, davon sind 14 Meter ungebremste Fahrt während der Schrecksekunde. Forschungen zufolge dauert die Zeit bis zu einer Reaktion bei vielen Menschen bis zu 1,5 Sekunden. Es muss also eventuell mit noch längeren Strecken in ungebremster Fahrt gerechnet werden. Bei Tempo 30 entspricht eine Sekunde bis zur Reaktion 8,3 Metern zurückgelegter Strecke.

Die Unfallfolgen sind leichter
Mit Tempo 30 nimmt die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls ab (auch weil der Blick bei geringeren Geschwindigkeiten weiter seitlich vom Auto ist.) Ist ein Zusammenstoß jedoch unausweichlich, sind die Verletzungsfolgen geringer. Denn prallt ein Fahrzeug mit 50 km/h mit einem Fußgänger zusammen, entspricht der Unfall einem Sturz aus 10 Metern Höhe, und die Überlebenschancen für den Fußgänger liegen bei gerade einmal 30 Prozent (Kinder deutlich geringer!). Ist das Auto dagegen mit Tempo 30 unterwegs, entspricht eine Kollision einem Sturz aus 3,5 Metern. Die Überlebenschancen steigen auf 90 Prozent.

Zur Erhöhung der Sicherheit der Schulwege und des allgemeinen Rad- und Fußverkehrs stellen wir folgende A N T R Ä G E:

Antrag 1
Parkbuchten werden auf der Straße statt auf dem Gehweg eingezeichnet. Es findet eine klare Trennung zwischen Fußverkehr und Straßenverkehr statt.

Begründung:
Parkende Autos auf dem Gehweg behindern täglich Fußgänger und insbesondere Eltern, die ihre Kinder mit dem Kinderwagen z.B. in den in der Forstgasse ansässigen Paul-Gerhard Kindergarten bringen. Sie sind gezwungen mit dem Kinderwagen auf die Straße mit dem damit einhergehenden Sicherheitsrisiko auszuweichen. Das gleiche gilt für geh-eingeschränkte Mitbürger (Rollatoren/Gehilfen oder Rollstühle).
– viele Autos sind zu breit für die Parkbuchten oder die Fahrer zu wenig gewissenhaft, so dass das Fahrzeug auf den Gehweg übersteht als zu dicht an der Straße zu parken, Stichwort Außenspiegel. Damit stehen die Autos regelmäßig auf dem Bürgersteig, so dass ein Durchkommen mit dem Kinderwagen, insbesondere Doppelkinderwagen/Fahrradanhänger, nicht mehr möglich ist.
– Optische Hindernisse (parkende Autos) werden in der aktuellen Planung auf den Bürgersteig verbannt. Dadurch wirkt die Straße hindernisfrei und animiert noch mehr zum Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit (nachfolgend “rasen”)
– Verkehr wird durch Parkbuchten auf dem Gehweg in den Bereich des Fußverkehrs gelegt mit Kollissionsgefahr bei Anfahrt auf die Parkbucht mit Fußgängern. Auch dieser Fall hat sich im Oktober 2019, glücklicherweise folgenlos, im bereits sanierten Bereich der Forstgasse zugetragen. Zudem animieren die Parkbuchten auf dem Gehweg dazu auch an Stellen auf dem Gehweg zu parken, wo keine Parkbuchten eingezeichnet sind.
– Regelmäßig und insbesondere nach 17 Uhr und am Wochenende ist der Gehweg stellenweise nicht mehr benutzbar, da überall Autos stehen. Auch hierzu animieren die ordnungsgemäß auf dem Bürgersteig stehenden Autos in den eingezeichneten Parkbuchten.

Antrag 2
Bürgersteige sind an keiner Stelle schmäler als lichte Breite 120 cm. Eine dadurch reduzierte Fahrbahnbreite wird an den wenigen Stellen akzeptiert.

Begründung:
An vielen Stellen sind die Gehwege zu schmal für Kinderwägen, insbesondere wenn Autos nahe der Bordsteinkante parken oder wie zukünftig vorgesehen, die Parkbuchten auf dem Gehweg eingezeichnet werden. (siehe auch Antrag 1)

Antrag 3
An Kreuzungen (Pfarrgasse/Forstgasse, Schmähgasse/Forstgasse und Iggelheimerweg/Forstgasse) wird rechts vor links eingeführt.

Begründung:
Die aktuelle Vorfahrtsregelung in einer 30er Zone ist unüblich mit der Konsequenz, dass einige Autofahrer überhaupt nicht wissen, dass sie in 30er Zone sind. Der komplette Straßencharakter vermittelt dem Autofahrer den Eindruck, dass er sich in einer Zone 50 befindet.

Antrag 4
Es wird auf die Straße in regelmäßigen Abständen „Tempo 30 Zone“ aufgezeichnet

Begründung:
Die Verkehrsschilder werden regelmäßig übersehen. Der komplette Straßencharakter vermittelt dem Autofahrer den Eindruck, dass er sich in einer Zone 50 befindet.

Antrag 5
Der Abstand von Parkbuchten zu Grundstückseinfahrten beträgt aktuell ca. 1 m. Diese wird zukünftig beidseitig auf mindestens 2 Meter erweitert.

Begründung:
Das Ausfahren von der privaten Grundstücksausfahrt auf die Straße ist unfallträchtig (2 der oben genannten Unfälle hatten diese Ursache). Parkende Autos behindern die Sicht (vor allem die zahlreichen breiten und hohen Autos wie Kleintransporter, Vans und SUVs mit vielfach getönten, undurchsichtigen Scheiben). Bei einer Praxisgeschwindigkeit von knapp 50 km/h, vielfach auch deutlich darüber, kann der Autofahrer in der Regel nicht mehr bremsen, wenn er ein Auto aus der Hofeinfahrt kommen sieht. Der Ausfahrende hingegen hat keinerlei Chance, den fließenden Verkehr weit genug einzusehen und bekommt im Falle eines Unfalls, verursacht durch einen Raser, ohne Verhinderungsmöglichkeit und eigentlich schuldfrei, die Hauptschuld.

Anmerkung: Mit dieser Verkehrssicherungsmaßnahme werden unter Umständen einige wenige Parkplätze wegfallen. Da jedoch die Stellflächen auf der Straße zum allergrößten Teil von Anwohnern genutzt werden, die über private Stellflächen auf dem Grundstück verfügen, diese aber aufgrund des oben genannten Grundes (Unfallgefahr) nicht nutzen, wird der Parkdruck trotz weniger Stellflächen abnehmen. Zudem ist mit zunehmender Elektrisierung davon auszugehen, dass Anwohner gezwungenermaßen die eigenen Stellplätze zur Ladung der Fahrzeuge nutzen. Schon deshalb wird der Parkdruck kontinuierlich abnehmen, gleichzeitig die Unfälle durch vermehrtes Ausfahren auf die Straße ansteigen. Ein sicheres Ein-und Ausfahren auf die privaten Stellplätze muss also ermöglicht werden und wird zukünftig an Bedeutung gewinnen.

Für die Fraktion
Sebastian Bender

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